Frage bzgl. Koriander und Minze

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    • Frage bzgl. Koriander und Minze

      Hallo zusammen,

      ich bin ganz neu hier im Forum und auch ganz neu, was die Anzucht und Pflege von Kräutern (und Pflanzen generell) angeht.
      Auf meinen Balkonkästen habe ich Blattkoriander, vietnamesischen Koriander, Thai-Basilikum und Minze angepflanzt. Bisher habe ich die Pflanzen alle gekauft, weil ich bisher wenig Erfolg mit einer Anzucht aus Samen habe.

      Ich habe eine ganze Menge Fragen, auf die ich leider keine Antworten finde. Ich habe mir drei Bücher über Kräuter gekauft, aber leider wurden darin meine Fragen auch nicht beantwortet (vielleicht weil diese zu simpel sind?).
      Vielleicht könnt ihr mir helfen?

      Frage 1:
      Ich bin nach wie vor unsicher, wie es mit dem Gießen aussieht. Ich habe Balkonkästen mit einem Drainage-System, d.h. überschüssiges Wasser kann unten ablaufen.
      Ich teste mit dem Finger und wenn die Erde nur noch leicht feucht ist, gieße ich wieder. Ich lasse die Erde aber nicht antrocknen. Im Grunde gieße ich fast jeden Morgen, es sei denn es hat am Vortag stark geregnet. Ist das so richtig?
      Denn ich habe gelesen, dass sowohl der Blattkoriander als auch der vietnamesische Koriander und die Minze allesamt viel Wasser benötigen.


      Frage 2:
      Seit einiger Zeit versuche ich Blattkoriander aus Samen zu züchten. Die ersten beiden Versuche gingen schief, weil ich nicht wusste, dass man den Deckel des Minigewächshauses wohl öffnen muss, sobald die Samen keimen. Daher hatte ich zwei Mal Schimmel auf der Erde.
      Nun habe ich mir Torfpellets gekauft und es ist auch kein Schimmel entstanden. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wann man die Torfpellets in einen Topf "umpflanzt"? Beim Koriander kamen nach kurzer Zeit unten bereits die Wurzeln aus dem Netz der Pellets. Ich dachte, jetzt müssen die Pellets wohl in einen größeren Topf mit Erde gesetzt werden. War das eine gute Entscheidung oder wie lange wartet man, bis man die Torfpellets samt kleinem Pflänzchen in einen großen Topf umsetzt?


      Frage 3:
      Nun sind die Torpfpellets samt kleinem Koriander-Pflänzchen in einem separaten 12 cm Blumentopf, den ich mit Kokoserde gefüllt habe. Im Baumarkt war das die einzige Erde für Anzucht, die erhältlich war.
      Wie gieße ich diese Mini-Pflänzchen aber jetzt? Ich habe kurz etwas Wasser darüber gegossen, aber auf einem Topf war heute Morgen wieder etwas Schimmel (dabei war es wirklich nicht viel Wasser). Ist es besser, diese nur mit einer Sprühflasche zu "gießen"? Aber würde bei einer Sprühflasche das Wasser zu den Wurzeln gelangen?


      Frage 4:
      Zudem habe ich Thai-Basilikum in Torfpellets angezüchtet. Diese haben jetzt oben kleine Pflänzchen (diese sehen aus wie kleine Kresse-Pflänzchen). Sie haben jedoch noch keine Wurzeln, die unten herauskommen. Muss ich warten, bis unten Wurzeln kommen, bis ich diese in einen großen Topf gebe?


      Frage 5:
      Außerdem züchte ich gerade noch Pfefferminze in Torfpellets. Oben kommen ganz, ganz kleine Pflänzchen heraus (mit dem Auge kann man sie kaum erkennen).
      Ich sprühe die Torfpellets momentan jeden Tag ein oder zwei Mal an, so dass sie nicht austrocknen. Gibt es einen Tipp dabei? Kann man die Torfpellets zu wenig oder zu viel besprühen?


      Entschuldigt die vielen Fragen. Falls jemand eine Antwort auf irgendeine Frage hat, würde ich mich sehr freuen, denn momentan bin ich etwas ratlos, ob ich das alles hier richtig mache.
      Vielen Dank schon mal im Voraus!
    • Eine Sache hatte ich noch vergessen zu erwähnen: Den vietnamesischen Koriander habe ich bei Rühlemann's bestellt und der wächst wirklich problemlos. Vielen Dank dafür!
      Entweder habe ich hier ausnahmsweise alles richtig gemacht oder (was ich eher vermute) es ist eine sehr problemlose Pflanze ;)
    • Frage 1

      Prinzipiell braucht eine Pflanze 5 Dinge für ihren Stoffwechsel; Wärme, Licht, Wasser, Luft und Nährstoffe.
      Wie du der Pflanze diese Wachstumsfaktoren zur Verfügung stellst ist ziemlich egal.

      Wurzeln benötigen Wärme, Wasser, gelöste Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium) geringfügig Spurenelemente und gasförmigen Sauerstoff.
      Bei totem Substrat (z.B. Perlite, Hydrocorrels, Cocosfasern, Steinwolle) lassen sich diese Faktoren künstlich perfekt auf die jeweiligen Bedürfnisse einer Pflanze anpassen. Eine mit Sauerstoff angereicherte chemische Nährlösung umspült die Wurzeln, durch den ständigen Austausch wird Wurzelfäule und Algenbildung vermieden.

      Die Vorteile eines Hydrosystems liegen auf der Hand, es ist keine neue Erde mehr nötig, alle Wachstumsfaktoren lassen sich permanent automatisiert auf das Optimum einstellen und du musst dir um die Gießmenge keine Sorgen mehr machen.
      Die Nachteile sind ebenso offensichtlich, eine falsche Einstellung der Nährlösung führt schnell zu Überdüngung oder Mangel, ein solches System ist sehr aufwendig, teuer und alles andere als biologisch.

      Bei einem lebendem Substrat (wie z.B. Gartenerde) wird jegliche Form von Biomasse von Bakterien, Pilzen, Würmern etc. langsam zersetzt und die Nährstoffe für die Pflanzenwurzeln verfügbar gemacht. Bei diesen Stoffwechselvorgängen entsteht Wärme und Sauerstoff, mit Wasser werden die Nährstoffe per osmotischem Druck, aktiven Diffusionsvorgängen und Symbionten von den Pflanzenwurzeln resorbiert.
      Diese Stoffwechselvorgänge werden durch Wärme beschleunigt, unterhalb von 6°C stellen alle Pflanzen jegliche Stoffwechselaktivität ein.


      Was passiert also wenn du deine Pflanzen zu wenig gießt?

      Die Erde trocknet aus, Mikroorganismen sterben ab, es werden keine neuen Nährstoffe aus der Erde für die Pflanze verfügbar gemacht, die Pflanze kann weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen, Mikroorganismen und Pflanze sterben an Dehydratation.


      Was passiert wenn du deine Pflanzen zuviel gießt?

      Die Poren der Wurzeln erhalten keinen benötigten Sauerstoff mehr und ersticken, anearobe Fäulnisbakterien zersetzen die Wurzeln und das Substrat, die Pflanze stirbt ebenfalls an Dehydratation und Nährstoffmangel.



      Aus diesen Erkenntnissen wird also ersichtlich, das Substrat sollte stehts gut durchlüftet und feucht sein, aber niemals völlig austrocknen oder komplett im Wasser stehen.
      Natürlich spielen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wasserhaltekapazität des Substrats und Wasserbedarf der individuellen Pflanze bei der nötigen Gießmenge eine signifikante Rolle. Daher lässt sich kein Patentrezept erstellen, man gießt eben nach Gefühl, wenn du ein bisschen Erfahrung sammelst und deine Pflanzen genau beobachtest kriegst du das recht schnell raus.

      Ein Drainage-System ist immer gut, ein paar grobe Steine oder Kies mit Vliesabdeckung auf dem Topfboden wirkt da nochmal unterstützend und fördert die Durchlüftung. Die Erde antrocknen zu lassen und sparsam zu gießen fördert ebenfalls das Wurzelwachstum, da die Pflanze dann mehr Wurzeln bilden muss um an Wasser zu kommen.


      Frage 2:

      Egal ob Torfpellets, Torftöpfe, Steinwollblöcke oder sonstige wandlose Aufzuchtmedien, würde ich diese einpflanzen sobald die ersten Wurzeln sichtbar sind.


      Frage 3:

      Pilze brauchen zum wachsen Wärme und Feuchtigkeit, genauso wie Sämlinge, da diese mit ihren wenigen Wurzeln noch nicht soviel Wasser aufnehmen können, gerade Torf tendiert in diesem Fall oft zum schimmeln.
      Daher ist eine gute Belüftung sehr wichtig, denn Schimmelpilze gedeihen nur unter Sauerstoffausschluss.
      In deinem Fall würde ich den Pilz und die befallenen Erdschichten entfernen und für 2-3 Tage, Temperatur, Wasserzufuhr runterfahren soweit die Pflanze es verkraftet und für eine gute Belüftung sorgen.


      Frage 4:

      siehe 2


      Frage 5

      Sämlinge mit Sprühvernebler zu bewässern ist sehr sinnvoll, der harte Gießstrahl kann die Samen nach oben schwemmen und die Keimwurzel abreißen.


      Aber mach dir mal nicht soviele Gedanken, weniger ist oft mehr, man sollte Pflanzen nicht zu Tode pflegen, diese sind wie alle Lebewesen sehr anpassungsfähig und stellen sich bei konstanten Bedingungen auf vieles von selbst ein, das ist Evolution.
      Über Theorie kann man viel Schreiben, aber Erfahrung sammelst du nur durch Experimentieren.

      In diesem Sinne, viel Spaß dabei ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dr. Greenthumb ()

    • Vielen Dank Dr. Greenthumb für die ausführliche und sehr hilfreiche Antworten.

      In meinen Balkonkästen habe ich übrigens keine Kokoserde, sondern Bio-Kräutererde. Im Gartencenter wurde mir gesagt, das sei am besten für die Kräuter. Aber vermutlich wollen die auch nur verkaufen.

      Das Besprühen der Sämlinge scheint wirklich am besten zu sein. Das gute ist, dass ich die Pellets von allen Seiten besprühen kann, weil sie ja noch ohne Erde nur in der Anzuchtschale sitzen.
      Der Thai-Basilikum und die Pfefferminze zeigen noch keine Wurzeln, die unten herauskommen. Das scheint länger als beim Koriander zu dauern.

      Die Korianderpellets habe ich ja inzwischen in Blumentöpfe umgepflanzt.
      Eine Frage noch: Wie sorge ich denn am besten für gute Belüftung? Geht das nur mit einem Drainage-System oder einfach ans offene Fenster stellen?

      Ich habe die Blumentöpfe nämlich jetzt einfach auf das Fensterbrett gestellt (draußen), da sie vom Geländer gehalten werden. Da es so nah am Fenster ist, sind sie auch ein wenig windgeschützt. Da werden sie auf jeden Fall besser mit Luft und Sauerstoff versorgt als hier in der Wohnung.

      Wahrscheinlich muss man wirklich experimentieren und ausprobieren. Ich versuche mein Bestes :)


      Danke noch mal für die Antwort!